Nie wieder!

Gedanken einer OMA zum Volkstrauertag 2019

Am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres wird der Volkstrauertag begangen. In diesem Jahr ist das der 17. November 2019.

Während meiner Kindheit (Jahrgang 1955, aufgewachsen in Niedersachsen) hieß das noch “Heldengedenktag”. Den Begriff “Volkstrauertag” habe ich erst in der Schule kennen gelernt, obwohl der “Heldengedenktag” eigentlich mit der Befreiung vom Faschismus abgeschafft worden sein sollte. Die Männer von der Kyffhäuser-Kameradschaft setzten ihre Krieger-Mützen auf und hielten Andacht vor dem örtlichen Kriegerdenkmal. Das Lied “Ich hatt einen Kameraden” wurde gespielt. Man gedachte der Gefallenen. Das war Brauch über Jahrzehnte.

In meiner Familie wurde mein Onkel vermisst. Er war als 16jähriger eingezogen worden. Keine Nachricht von ihm, bis Mitte der 1970er Jahre der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes mitteilte, dass er wohl gefallen sei. Seine Mutter – meine Großmutter – hat, seitdem er vermisst war, keine Kleidung mehr getragen, die heller war als schwarz und dunkelblau. Das Höchste, was für sie in Frage kam, war ein weißer Kragen. Meine Großmutter konnte einfach keine Farben mehr ertragen. Das war vorbei. Wieder und wieder las sie die Briefe ihres Sohnes. Aber das führte ja alles zu nichts. Ende der 1940er/Anfang der 1950er Jahre hat sie dann die Briefe verbrannt – in Traurigkeit.

Mein Onkel ist geliebt in den Tod gegangen. Meine Gedanken gehen zu ihm und an andere, die schwer in den Tod gekommen sind. Es gibt außer ihm so viele, die im Krieg geblieben sind, deren Todestag man nicht genau weiß. Man weiß auch nicht, wie sie gestorben sind und wo sie liegen. Die Liebe des Sohns und der Tochter ist größer als das Empfinden für persönliche Schuld. Für dieses Gedenken ist am Volkstrauertag Platz, besonders, wenn man keinen Todestag weiß.

Die Gedanken gehen auch zu den russischen Soldaten, die im Kampf um die Hauptstadt Berlin ihr Leben gelassen haben und von denen über 7.000 im Treptower Park beigesetzt wurden.

Ein Gedenken wäre unvollständig, würde nicht auch das Leid der von Deutschen ermordeten Herero und Nama dargelegt werden. Darüber schreibt OMA Annette kompetenter als ich es kann.

Eine andere aus unserem Kreis berichtete, dass ihre Oma stets in Spandau Blumen niedergelegt hat für drei im Zweiten Weltkrieg gefallene Familienangehörige. Jetzt ist die Oma schon Jahrzehnte tot und unsere Mitstreiterin – die Enkelin – führt aus Verbundenheit die Tradition fort.

Natürlich spielt in der Erinnerung auch das Denkmal für den unbekannten Soldaten an der Neuen Wache eine Rolle.

Schreiben tue ich diese Zeilen am 11.11., dem englischen Remenbrance Day, an dem fast alle Männer in England und eigentlich auch alle Frauen, die im öffentlichen Leben stehen, der Gefallenen gedenken.

Bei aller Verschiedenheit in unserem bunten Kreis ist klar, dass wir nie wieder Krieg wollen und dass wir uns dafür mit aller Entschlossenheit einsetzen werden.

Steffi M.-T., 11.11.2019

 

Gedanken zum 9. November 2019

Die Berliner OMAs und OPAs treffen sich am Samstag, 9. November 2019 im Bona Peiser von 11 – 14 Uhr zum Plenum. Es liegt nahe, am 9. November, dem Schicksalstag der Deutschen, auch was zusammen mit den Enkeln zu machen. Schließlich muss auch dieser Part der deutschen Geschichte den Enkeln vermittelt werden.

Die Oma eines Grundschülers hatte die Idee zu einem Laternenumzug Richtung Neue Synagoge in der Oranienburger Straße. Jemand anders aus unserem Kreis setzte dagegen: “Gern mache ich WAS mit dir zusammen. Nur nicht Laternen basteln. Ich hab mit meinen Kindern gesprochen - diese Art des Gedenkens finden sie nicht passend und zeitgemäss - auf einen Laternenumzug zur Synagoge geben sie mir ihre Kinder nicht mit. Angst, Sicherheit und was Eltern noch so bedenken. Fackelumzüge und Laternen seien nicht weit voneinander entfernt, meinen sie.”

Diese Positionen kamen beim gemeinsamen Nachdenken raus:

Auf der Webseite MEIN LIEBES KIND kann man sich über Patenschaften informieren für Kinder, die in der ehemaligen Städtischen Nervenklinik für Kinder (Reinickendorf, Eichborndamm) getötet wurden. Dort werden auch immer noch Schulen gesucht, die sich für ein Jahr beteiligen. Jugendliche an das Thema ran zu führen, geht auch anders. Auch die engagierten Jugend-Museen werden von verschiedenen Berliner OMAs gegen Rechts gern und oft mit ihren Enkeln besucht.

Wir OMAS denken, dass jede und jeder auf seine Weise seinen Enkeln seine Geschichte nahe bringt. Die Eltern einbezogen.

Als der Mann einer anderen Mit-OMA gestorben ist, war die gemeinsame Tochter noch ein Kind. Es war sehr schwer. Eine der tröstlichen Erinnerungen: er hat der Tochter vorher alles im KZ Sachsenhausen gezeigt und ihr mit seiner väterlichen Autorität vermittelt "Nie wieder!" Sie waren zusammen auch auf einer großen Friedens-Lichterkette quer durch ganz Berlin und unsere Mit-OMA weiß immer noch, an welcher Stelle der benachbarten Bundesstraße sie damals in einer Menschenkette standen. Dies ist noch heute wichtig.

In Erinnerung daran ist es für sie jetzt entscheidend, dem Enkel etwas zur Geschichte des 9. November zu vermitteln. Dazu gehört auch der Matrosen-aufstand, an dem der Uropa mütterlicherseits dieses Enkels in Wilhelmshaven teilgenommen hat. Die Familie ist ziemlich stolz, dass sich Dokumente dieses Teils der Familiengeschichte noch heute im Marinemuseum Wilhelmshaven finden.    Auch der Matrosenaufstand in Wilhelmshaven und Kiel ist erinnerungswürdig und sozusagen ein Paukenschlag in der deutschen Demokratiegeschichte. Aber in diesem Jahr 2019 ist es dieser Mit-OMA eher ein Bedürfnis, etwas mit Kindern zu jüdischem Leben in Berlin und zu den Nazis zu machen.

Etwas ganz Wichtiges zum Schluss: Für die OMAS GEGEN RECHTS gehört in der Vorbereitung des 9. November das Totengedenken mit dazu. So wie sie vor Totensonntag die Gräber schmücken, so werden vor dem 9. November die Stolpersteine geputzt, die für jene gelegt wurden, die durch die Nazis umgekommen sind und die kein Grab haben. Zum Spaziergang nehmen die OMAS Metallputzmittel, Schwamm und weiche Lappen mit, sowei Blumen zur späteren Verziehrung und zum Gedenken.

Sei dabei, 6. Nov. zum Stolpersteine putzen: Treffpkt: Rathaus Friedenau, 15.00.

https://www.craigstennett.com/the-making-of-a-stolperstein                   Unser 'OMA Fotograf', Fotojournalist Craig Stennett, dokumentierte

Michael Friedrich Friedläenders Initiative 'Stolpersteine'.            

 

 

 


Am 2. Samstag im Monat ist unser Treffen
11.00-14.00 Uhr, Oranienstrasse 72, 10969 Berlin, ( U-Bhf. Moritzplatz)

OMAS GEGEN RECHTS.Berlin, OPAS auch!

kontakt@omasgegenrechts.berlin

 

 

Termine

  1. Weitererzählgeschichten

    November 14 @ 20:00 - 22:00
  2. OMAS mit Friday for Future, wie jeden Freitag

    November 15 @ 12:00 - 14:00
  3. Sommer mit OPA: Lesung Uscha Forster

    November 19 @ 17:00 - 18:30
  4. Globaler Klima Streik, Berlin

    November 29 @ 11:30 - 16:00
  5. Treffen der OMAS GEGEN RECHTS Berlin

    Dezember 14 @ 11:00 - 14:00
  6. AUTOREN GEGEN DEN KRIEG lesen für den Frieden

    Dezember 19 @ 20:00 - 22:30