Kulturkampf und rechte Metapolitik

Podiumsveranstaltung der OMAS GEGEN RECHTS Berlin SüdWest im Atze MusiktheaterTheater am 4. November 2025

Eine Nachlese von Nora Pauli

Gäste:

  • Dr. Klaus Lederer, ehemals Linken Politiker und Kultursenator Berlin, Autor („Mit Links die Welt verändern“)
  • Peter Laudenbach, Theaterkritiker, Journalist, Autor („Volkstheater“, der Angriff auf die Kunstfreiheit)
  • Andrea Röpke war wegen Krankheit verhindert.

Moderation:
Nora Pauli, OgR Berlin SüdWest

Dank unserer erfahrenen und engagierten Gäste wurde in einer bewegenden Veranstaltung ein größeres thematisches Feld eröffnet und wesentliche Aspekte benannt.

Die systematische aggressive Veränderung des kulturellen Feldes (P. Laudenbach) und Kultur als Instrument der „Volkszurichtung“ (K. Lederer) durch Rechts bedrohen Kultur als immanenten Ausdruck einer vielfältigen Gesellschaft und deren Möglichkeit der „Selbstvergewisserung“ bzw. des „Mensch Seins“ an sich.

Dem Vorwurf der Einengung dieses Gestaltungsraumes durch linke „cancel culture“ bzw. moralisierende Wokeness wurde mit dem gelebten Anspruch des „zwanglosen Zwangs des besseren Argumentes“ widersprochen. Die Eigenverantwortung der kulturellen Institutionen und des Publikums, als seine „natürlichen Verbündeten“ (Laudenbach), sowie sichtbares zivilgesellschaftliches Engagement, auch in unterschiedlichen alltäglichen kulturellen Ausdrucksformen (aktuell so viele CSDs wie noch nie), wurden als ebenfalls wesentliche Einflussgrößen herausgestellt.

Zentrale Aussage im erweiterten Kontext war: Das Bekämpfen der AfD mit ihren dunklen Disruptionsideen ist nicht das Mittel, eine verunsicherte, sich zunehmend spaltende Gesellschaft auf einem demokratischen Weg mitzunehmen. Es braucht ein politisches Angebot einer machbaren, politischen Veränderung mit Verteilungsgerechtigkeit, so Lederer, mit der sich die Menschen identifizieren können. Die aktuelle parlamentarische Transformationsblockade und das Abtauchen der politischen Konservativen, die als „Bewahrer der Schöpfung“ diese Überzeugung als politische Kraft nicht ausreichend einbringen, erscheinen als das eigentliche Problem. Eine Transformation ist unweigerlich (Klima, Ressourcenknappheit, etc.) und gestaltbar (vom Wohlstandschauvinismus zum Selbsterhalt).

Wie Laudenbach ausführte, ist erklärtes strategisches Ziel der AfD die Marginalisierung der CDU durch Kulturkämpfe und Beherrschung des gesellschaftlichen Diskurses. Die Nutzung gesellschaftlicher Triggerthemen, die als Identitätsanker dienlich sind, wie z.B. Männlichkeit, Familie, Heimat etc., zielen auf Ablenkung und Einflussnahme, um wesentliche aktuelle politische Themen nicht sichtbar werden zu lassen. „Flood the zone with shit!“

Für die Gesellschaft, für uns alle, bedeutet dieses: Sich nicht ablenken zu lassen, gegen Spaltung vorzugehen, selber einen Unterschied zu machen und eine positive Vision unserer Selbst zu entwickeln.

Der beste Schutz für die Freiheit ist, von ihr Gebrauch zu machen!