Wir trafen uns bei den Feierlichkeiten am 3. Juli 2022 anlässlich der Paul Spiegel Preis Verleihung für Zivilcourage vom Zentralrat der Juden. Die Halle im Hotel Stadtbad Oderberger Straße war schon gut gefüllt, als Petra nach einem Platz suchte. Gern nahm sie das Angebot an, sich zu Barbara und mir zu setzen. Nach dem Festakt erzählte sie uns draußen auf der Terrasse von ihrer höchst an- und aufregenden derzeitigen Lebensphase. Mit einem dreimonatigen Stipendium auf Schloss Wiepersdorf beschäftigt sich Petra vor Ort intensiv mit den Themen, die auch heute wieder aktuell sind für uns OGR: Eintreten gegen Antisemitismus und Diskriminierung, Widerstand leisten gegen Unrecht, Zivilcourage zeigen eben. Noch lange sprudelten wir nach der Verleihung über die ehemalige Hausherrin von Schloss Wiepersdorf, die Schriftstellerin Bettina von Arnim, frauenbewegt, sozial und den Revolutionären ihrer Zeit sehr verbunden. Dies in einer Zeit als es ungleich schwieriger war, sich gegen soziale Missstände und Diskriminierungen zu erheben. Bei unserem Austausch entwickelten wir die Idee eines Ausflugs nach Schloss Wiepersdorf, Petras temporären Paradies.
Am 4. August war es dann soweit. Acht Ausflugswillige reisten an einem der in diesem Sommer üblichen heißen Tage nach Schloss Wiepersdorf und wurden dort von der Leiterin, Annette Rupp, empfangen, die uns über die derzeitige Nutzung des so traditionsträchtigen Hauses erzählte. Unter Petras fach- und feinsinniger Führung haben wir uns Haus, Museum, Park und eines der Ateliers mit Neugierde erobert. Wir besuchten die junge Iranerin, Maryam Aghaalikhani, in ihrer Werkstatt. Seit 2017 lebt und arbeitet sie in Deutschland als selbständige Künstlerin. Anschaulich hat sie uns vermittelt wie sie sich bei ihrer Arbeit auf das Thema Geld und damit verbunden auf Macht und Wert konzentriert.
Nicht zuletzt wurden wir auch kulinarisch verwöhnt. Im neu entstandenen Museum haben wir erfahren, dass es besondere Frauen waren, die die Geschicke dieses Hauses couragiert zu lenken verstanden.
Von einer, Hedwig Maria Wilhelmine Freifrau von Arnim, sind kaum Spuren zu finden. Nur Todesdatum und –ort stehen fest: 9. April 1945 Konzentrationslager Ravensbrück.
Der Malerin Bettina Encke von Arnim, einer Urenkelin der Dichterin, ist es nach dem 2. Weltkrieg gelungen, den einstigen Familiensitz einer kulturellen Nutzung zuzuführen. Sie, die während der Nazizeit selbst unter Beobachtung und Diskriminierung gelitten hat, hat gleichermaßen Verfolgten in Berlin und Wiepersdorf Schutz gewährt. Eine sehr mutige Frau.
Und so stellten wir nach einem kulturell sehr ausgefüllten Tag auf einem herrlichen Anwesen fest, dass wir dabei auch mindestens „zwei neue OMAS GEGEN RECHTS“ aus der Vergangenheit näher kennen lernen durften.
https://www.schloss-wiepersdorf.de/de/home-de.html
Petra Heymach und Marion Fabian